Begabungsförderung

Begabungen erkennen und fördern

Kinder lernen unterschiedlich. Sie interessieren sich für unterschiedliche Dinge, denken auf unterschiedliche Weise und bringen ganz verschiedene Stärken mit. An der Schule Fabriciusstraße verstehen wir Begabungsförderung deshalb als einen selbstverständlichen Teil individueller Förderung: Wir möchten Kinder angemessen fordern, wenn sie in einem Bereich mehr können, schneller lernen oder sich besonders intensiv mit einem Thema beschäftigen möchten. Unser Konzept richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an Kinder mit einer diagnostizierten Hochbegabung.

Begriff Förderung = Fordern

Wenn hier von Förderung gesprochen wird, so ist weder die schulische Sprachförderung, noch die Lernförderung gemeint. Diese stellen Hilfen für Kinder mit Herausforderungen in bestimmten Bereichen dar bis hin zu umfassenden Lernproblemen. Aber auch Kinder mit Lernproblemen können besonders hohe Begabungen zeigen.

Begabung verpflichtet nicht zu Leistung

Ein besonders wichtiger Gedanke unseres Konzepts ist: Begabung und Leistung sind nicht dasselbe. Ein begabtes Kind muss keine besonders guten Noten haben und kein „Überflieger“ sein. Hohe Fähigkeiten können sich in schulischen Leistungen zeigen – müssen es aber nicht.

Für uns bedeutet eine Begabung deshalb auch keine Verpflichtung zu Höchstleistungen. Nur weil ein Kind etwas besonders gut könnte, muss es dieses Potenzial nicht ständig unter Beweis stellen. Wenn man mit sich selbst ehrlich ist: Auch wir Erwachsenen tun schließlich nicht alles, was wir theoretisch besonders gut könnten. Interessen, Motivation, Persönlichkeit und die jeweilige Lebenssituation gehören genauso zu einem Menschen wie seine Fähigkeiten. Das Großwerden ist ja auch schon so eine Herausforderung an sich.

Bei uns muss sich niemand Förderung erst durch gute Leistungen „verdienen“. Unser Konzept formuliert ausdrücklich: Begabung ist nicht gleich gute Leistung – und Förderung (also Fordern nach oben) setzt keine Hochbegabung voraus.

Begabungsförderung integrativ

Im Mittelpunkt steht ein flexibler und differenzierter Unterricht, in dem Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen gefordert werden können.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen: In Deutsch und Mathematik arbeiten wir unter anderem mit differenzierten Materialien und Aufgaben auf verschiedenen Niveaustufen. Kinder können anspruchsvollere Aufgaben bearbeiten, eigene Lösungswege entwickeln, Präsentationen erstellen oder sich intensiver mit einer Fragestellung beschäftigen. Auch kooperatives Lernen gehört dazu: Kinder bringen ihre unterschiedlichen fachlichen, kommunikativen und sozialen Stärken ein und lernen miteinander und voneinander.

Begabungen können ganz unterschiedlich aussehen

Begabung beschränkt sich nicht auf Mathematik, Deutsch oder einen hohen IQ. Besondere Fähigkeiten können sich beispielsweise auch in Kreativität, Musik, Sprache, sozialen Fähigkeiten oder Sport zeigen. Deshalb betrachten wir immer das einzelne Kind und nicht eine vermeintlich einheitliche Gruppe „der Begabten“.

Lehrkräfte beobachten die Kinder im Schulalltag und achten dabei nicht allein auf Noten. Interesse an komplexen Inhalten, eine schnelle Auffassungsgabe, ungewöhnliche Verknüpfungen von Wissen oder kreative Problemlösungen können ebenso Hinweise auf besondere Stärken sein. Umgekehrt schließen schwächere schulische Leistungen eine hohe Begabung ausdrücklich nicht aus.

Wenn der Unterricht noch nicht genug Herausforderung bietet

Manche Kinder brauchen in bestimmten Bereichen deutlich mehr Herausforderung. Dann kann das reguläre Lernangebot erweitert werden. Dieses Enrichment kann zum Beispiel durch weiterführende Texte, komplexere Problemstellungen, eigene Projekte oder Wettbewerbe erfolgen. Auch die Angebote unserer GBS geben Kindern Gelegenheit, ihren Interessen und Stärken in unterschiedlichen Bereichen nachzugehen.

Darüber hinaus nutzen wir externe Angebote und Kooperationen, beispielsweise mit der Beratungsstelle besondere Begabungen (BbB), der PriMa-Mathematikförderung der Universität Hamburg und der Teilnahme an Mathezirkeln.

In einzelnen Fällen kann auch eine Beschleunigung des Lernens – die sogenannte Akzeleration – sinnvoll sein. Ein Kind kann beispielsweise in einem Fach auf einem höheren Niveau arbeiten oder zeitweise am Unterricht eines höheren Jahrgangs teilnehmen. Das Überspringen einer Klasse ist ebenfalls möglich, aber keineswegs die automatische Folge einer hohen Begabung. Es ist nur eine von mehreren Maßnahmen und wird sorgfältig geprüft. Das Überspringen einer Klasse hat Folgen bis hin in die Zeit nach dem Schulabschluss. Es ist dann eine gute Lösung, wenn ein Kind trotz aller privaten und schulischen Herausforderungen in seinem Jahrgang unterfordert ist, Neues extrem leicht integriert und Lernen für das Kind wirklich eine große Freude darstellt.

Hinschauen, begleiten und gemeinsam entscheiden

Begabungen und Interessen werden bei uns von Beginn an beobachtet und im weiteren Schulverlauf immer wieder in den Blick genommen. Dabei betrachten wir nicht nur Leistungen, sondern auch besondere Fähigkeiten eines Kindes.

Eltern sind dabei wichtige Partner. Wenn Sie Fragen zum Thema Begabung haben, so wenden Sie sich zuerst an die jeweilige Klassenleitung. Wenn es sich herausstellt, dass es einen nächsten Schritt benötigt:

Im Austausch zwischen Eltern, Lehrkräften und – wenn nötig – weiteren Fachkräften überlegen wir, was dieses konkrete Kind zu diesem Zeitpunkt braucht.

Wir möchten Kinder ermutigen, ihre Stärken zu entdecken, ihren Interessen zu folgen und sich immer wieder an neuen Herausforderungen auszuprobieren. So können Begabungen wachsen – mit Freude am Lernen, Neugier und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

In Hamburg können sich Eltern zunächst an die schulische Ansprechperson für Begabungsförderung wenden; bei Fragen zu besonderer oder hoher Begabung berät außerdem die Beratungsstelle besondere Begabungen (BbB), bei vorrangigen Lern-, Verhaltens- oder Integrationsschwierigkeiten das zuständige ReBBZ – dort sind unter anderem Lehrkräfte, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Psychologinnen und Psychologen tätig.

Ansprechpartnerin für Eltern und Kollegium bezüglich Fragen zur Begabungsförderung und auch explizit zu Fragen diagnostizierter klassischer Hochbegabung ist Sonja Carstens.


Besonders begabte Gehirne haben oft noch weitere Merkmale

Hochbegabung kann mit Neurodivergenz zusammentreffen, zum Beispiel mit ADHS und oft auch dem früher sogenannten ADS, der ADHS-Form mit wenig Energie, mit Autismus, Dyslexie/LRS oder Dyskalkulie; in der Begabungsforschung wird bei einer hohen Begabung zusammen mit einer weiteren Besonderheit auch von Twice Exceptionality gesprochen. Auffälligkeiten wie Überforderung, Unterforderung, Rückzug, starke Emotionen, Konzentrationsprobleme, Leistungsverweigerung oder herausforderndes Verhalten (oft nur zuhause oder nur in der Schule!) können sehr unterschiedliche Ursachen haben – manchmal hilft der Blick auf besondere Begabungen und mögliche neurodivergente Besonderheiten, das Verhalten eines Kindes besser zu verstehen, ohne vorschnell eine Erklärung festzulegen. Auch eine deutliche Diskrepanz zwischen hohem Potenzial und tatsächlich gezeigter schulischer Leistung kann vorkommen (Underachievement).

Haben Sie das Gefühl, dass mehr hinter allem steckt, so wenden Sie sich auch gerne an die Klassenleitung, Beratungslehrerin (Jennifer Griebenow) und/ oder den Kinderarzt/ die Kinderärztin oder an einen Psychologen (haben Psychologie studiert, behandeln vorranging Folgen von Ereignissen) oder eher Psychiater (das sind spezialisierte Ärzte mit Fokus auf neurologische Themen).

Frühe Hilfen helfen, sich kennenzulernen und gut mit sich umgehen zu können. Es gibt keine Stigmatisierung. Sie entlasten und können bestmöglich Folgeerkrankungen verhindern, die bei vorliegender Neurodiversität ohne Behandlung mit stark erhöhter Inzidenz eintreten können.

Niedrigschwellig einlesen kann man sich recht gut über social media und dort auch feststellen, dass die bekannten Eigenschaften oft ganz anders sind, als man es bisher gehört hat. Berühmte Weltstars z.B. verkaufen Stadien auf der ganzen Welt aus – bisher dachte man vielleicht trotz ADHS – heute lernt man hinzu, dass dies auch der Motor sein kann und ein Autismus ergänzend besonders befähigen kann, Dinge ganz besonders gut zu können und zu glänzen. Die Voraussetzung bleibt: Man muss genau hinschauen, annehmen, den Menschen kennenlernen und die Stärken stärken, aber vor allem auch für Zeit für Ruhe sorgen.

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